Stefan Rühlmann

Bücher und Zeichnungen

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Auf dieser Seite werde ich in regelmäßigen Abständen Ausschnitte meiner Bücher, Geschichten oder auch Bilder, wenn sie gerade entstehen, einstellen.

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09.10.2019

Der Rote Druide - Leseprobe I

„Grabe, du musst am Hang hinter dem Totenhügel graben.“
Schweißgebadet wachte ich aus meinem Traum auf. Wieso sollte ich außerhalb unseres Dorfes hinter dem Totenhügel graben? Im Traum war mir eine Gestalt erschienen, die in einen halbdurchsichtigen roten Umhang gehüllt war. Dort, wo sich die Augen normalerweise befanden, konnte ich lediglich zwei schwarze Löcher erkennen. Ich bekam eine Gänsehaut, als ich daran dachte, wie intensiv mich diese beiden Löcher angesehen hatten. Wenn es nicht so absurd wäre, würde ich sagen, dass die schwarzen Löcher leuchteten. Aber schwarz kann nicht leuchten.

Ich befand mich an diesem frühlingshaften und sonnigen Wochenende im Haus meiner Eltern, wie beinahe jedes Wochenende. Meine Mutter und mein Vater lebten noch immer in dem Dorf, in dem ich meine Kindheit und Jugend verbracht hatte, waren jedoch im Moment im Urlaub. Das Haus meiner Eltern stand etwas nach hinten versetzt an einer wenig befahrenen Straße gegenüber einem kleinen Wald, der an unser Dorf grenzte. Zwischen dem Haus und der Straße hatten meine Eltern einen Garten angelegt, in dessen Mitte sich ein Teich befand, an dem eine Bank zum Entspannen einlud.

Aber irgendwie ließ mich an diesem Tag mein Traum nicht los. Am Nachmittag zog ich, mit einer kleinen Schaufel bewaffnet, an die Stelle des Totenhügels, von der ich geträumt hatte. Es war beinahe so etwas wie ein Zwang. Ich stand an der Vorderseite des Hügels zwischen Büschen und kleineren Felsblöcken, die an manchen Stellen durch die Erde schauten. Eine leichte Brise ließ die Blätter rascheln, als würden sie mir etwas erzählen wollen. Unschlüssig, was ich tun sollte, drehte ich mich einmal um meine eigene Achse. Eigenartigerweise hatte ich das Gefühl, beobachtet zu werden. Ich schlug mich ein bisschen tiefer in die Büsche hinein, so dass ich vom Weg aus nicht mehr gesehen werden konnte.

„Grabe“, halte es in meinem Kopf nach. Und das musste ich auch, ich konnte mich einfach nicht dagegen wehren, es war ein innerlicher Druck, den ich nicht beschreiben konnte. Von den Büschen um mich herum nahm ich nichts wahr. Zuerst entfernte ich ein paar kleinere Pflanzen, zog an einer morschen Wurzel, die ich achtlos zur Seite warf und traute meinen Augen nicht. Vor mir lag eine glatte Steinplatte, zumindest ein kleiner Teil davon. Schnell legte ich den restlichen Teil frei, nach ein paar Minuten hatte ich ungefähr einen Quadratmeter Erde von der Steinplatte geschoben.

Vorsichtig säuberte ich den freigelegten Teil von der restlichen Erde, indem ich einfach mit der flachen Hand darüberfuhr und die Rester herunterwischte. Dabei spürte ich, dass der Stein unter meiner Hand nicht einfach nur glatt war. Nach und nach kamen Zeichen zum Vorschein, die ich nicht kannte, aber auf den ersten Blick für eine Art Runenschrift hielt.

Mittlerweile war die Neugier in mir geweckt. Aufregung über meinen Fund erfasste mich und mein Herz schlug heftig. Die Platte war in etwa zwei mal einen Meter groß. Ich wollte unbedingt herausfinden, ob es sich bei meinem Fund um eine Gruft, einen Sarg oder ein verdeckter Kellereingang handeln könnte. Ich grub an den Rändern der Platte weiter und nach ungefähr fünfzehn Zentimetern fand ich eine Fuge, darunter alte Buntsandsteine. Es sah danach aus, als hätte ich tatsächlich ein altes Grab entdeckt. Ich wischte noch einmal über die Platte. Diese Runen … Was die wohl zu bedeuten hatten? In meinem Rucksack fand ich meinen Terminkalender und einen Stift und schrieb die gesamten Zeichen ab. Vielleicht würde mir heute Abend das Internet weiterhelfen.

Aber vorher, vorher musste ich versuchen, die Steinplatte anzuheben, um zu sehen, was sich darunter verbarg. Ich fand einen ziemlich starken und langen Stock, legte einen Stein an eine Stelle, an der die Platte ein bisschen überstand und hebelt sie vorsichtig hoch. Es ging leichter, als ich gedacht hatte.

Als ich die Platte von den Steinen hob, das Grab öffnete oder was auch immer es war, was sich vor mir befand, hörte ich ein leises Zischen, so als wenn der Raum unter der Steinplatte Überdruck hatte, der in diesem Moment entwich. Ich achtete nicht weiter darauf. Vorsichtig schob ich einen Stein zwischen Platte und den Buntsandsteinblöcken, so dass ich nicht mehr mit dem Stock drücken musste.

Was nun? Höher würde ich die Platte nicht heben können. Aber durch den Spalt konnte ich locker meine Hand stecken. Ich nahm mein Smartphone, schaltete das Licht und die Kamera an. Wenigstens würde ich so sehen, was sich im Inneren befand.

Etwas ängstlich schob ich mein Smartphone durch den Spalt. Hoffentlich würde nicht ausgerechnet jetzt die Platte wieder herunterfallen, denn dann wäre meine Hand schlichtweg zerquetscht worden. Ich drehte mein Smartphone langsam in alle Richtungen, so dass ich mit der Kamera jeden Winkel des Hohlraumes, wie ich hoffte, ausleuchten würde. Vorsichtig zog ich meine Hand wieder unter der schweren Steinplatte hervor. Ich setzte mich mit dem Rücken gegen einen Baumstamm, holte tief Luft und schaltete das Video ein, welches ich gerade aufgenommen hatte.

Kaum lief die Aufnahme, bekam ich den Schreck meines Lebens. Vor Angst schmiss ich mein Smartphone weg. Es schien mir, als wäre es plötzlich glühend heiß geworden. Ich rannte aus dem Gebüsch, den Hang hinab und blieb erst unten, schwer atmend, auf dem Feldweg stehen. Was war das? Was hatte ich aufgenommen?

Als ich mich wieder einigermaßen beruhigt hatte, musste ich ein bisschen über mich lachen. Wieso schmiss ich mein Handy weg, nur weil ich mich über eine Aufnahme erschrocken hatte. Langsam, in dem Moment war mir nicht mehr zum Lachen zu Mute, kroch ich den Hang zu meiner „Ausgrabung“ wieder hinauf. Ich musste meine Sachen holen und natürlich gedachte ich nicht, das Handy einfach im Dreck liegen zu lassen. Als ich mich der Stelle näherte, an der ich gerade eben noch voller Tatendrang das Innere unter der Steinplatte gefilmt hatte, blies mir ein eiskalter Wind entgegen. Sofort richteten sich sämtliche Härchen an meinem Körper auf. Nachdem ich endlich mein Smartphone wiedergefunden hatte, verstaute ich alles in meinem schwarzen Rucksack und verschwand schleunigst von hier oben.

Admin - 19:55 @ Der Rote Druide | Kommentar hinzufügen

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