Stefan Rühlmann

Bücher und Zeichnungen

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Auf dieser Seite werde ich in regelmäßigen Abständen Ausschnitte meiner Bücher, Geschichten oder auch Bilder, wenn sie gerade entstehen, einstellen.

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04.09.2017

Weil die Zeit sich berühren will - Buch 3; Teil 4

Unser Zug wurde angehalten, Gunnars Männer ließen uns nicht weiterziehen, indem sie den Weg blockierten. Ich bekam nicht sofort mit, was Eckehardt und Gunnar besprachen. Doch als ich nach vorn ritt, hörte ich, wie Gunnar verlangte, dass der Wagen im Gut bleiben solle. Ehe Eckehardt etwas erwidern konnte, mischte ich mich in den aggressiven Wortwechsel ein, indem ich erklärte, dass wir den Wagen auf alle Fälle mitnehmen würden.
„Ach ja? Wie willst du kleines Würstchen das verhindern?“
Als Gunnar seinen Mund öffnete, konnte ich schwarze Stummel erkennen. Irrwitzigerweise wünschte ich ihm in diesem Moment lebenslange Zahnschmerzen.
„Der Wagen hat nie zum Gut gehört, den haben wir aus Gena mitgebracht. Also werden wir den auch wieder mitnehmen.“
„Werdet ihr nicht, die Bälger sollen absteigen, sonst zerre ich sie persönlich an den Haaren vom Wagen.“

Jetzt bekam ich Angst. Meine Hände schwitzten, ich sah, wie die Soldaten Gunnars ihre Schwerter zogen, uns umringten, einen vollständig geschlossenen Kreis bildeten, aus dem wir nicht entkommen konnten. Unsere Leute hatten ebenfalls bereits ihre Schwerter gezogen und sich um den Wagen herum in Position gebracht. Ich musste irgendetwas tun, nur mit dem Schwert kämpfen konnte ich immer noch nicht. Plötzlich, ohne einen bewussten Entschluss gefasst zu haben, hielt ich meine geladene Armbrust in den Händen und richtete diese auf Gunnar, der vor Schreck kreidebleich anlief.
„Es mag sein, dass ihr uns den Wagen wegnehmt. Aber das wirst du ganz sicher nicht mehr erleben.“
Gunnar erwiderte nichts, war noch immer bleich und ich konnte mit Genugtuung erkennen, dass er am ganzen Körper zitterte.
„Befiehl deinen Männern, die Waffen wegzustecken und gib den Weg frei. Du hast das Gut, welches du immer wolltest. Lass uns ziehen.“

Ich weiß nicht mehr, ob ich genauso zitterte, wie Gunnar, doch ich war felsenfest entschlossen, ihn zu töten, wenn es sein musste. Gunnar zögerte, sagte nichts und saß nur steif im Sattel seines Pferdes. Dann zeigte sich in seinem Gesicht eine Regung, es war der pure Hass auf mich, den ich so nicht vermutet hätte, allerdings damals in der Stadt schon einmal erleben musste. Scheinbar spürte er meine Entschlossenheit, ihn als erstes mit in den Tod zu nehmen, wenn es darauf ankommen sollte.
Zu meiner, unser aller Erleichterung, nickte er seinen Leuten zu, so dass diese ihre Schwerter wieder in die Scheiden steckten und den Weg freigaben. Unsere Leute ließen ihre Waffen sinken und wir zogen unbehindert weiter.
Als ich an Gunnar vorbeiritt, zischte er mir zu, dass er mir das nie vergeben würde.
„Ich kriege dich, du Hund“, waren die Worte, die er mir ins Gesicht spie.
Schweigend schloss ich mich unserem Zug an. Nach ein paar Metern drehte ich mich noch einmal um, aber Gunnar war schon im Gut verschwunden. Wahrscheinlich machte er sich bereits über das Weinfass her, welches immer noch im Keller der Küche stand.

Eckehardt sprach etwas zu den beiden Soldaten, die an der Spitze des Zuges neben ihm ritten. Die Männer nickten und gaben ihren Pferden die Sporen. Ich nahm an, Eckehardt ließ die in den Dörfern verteilten Männer zu uns holen. Ich blieb eine Weile ganz am Ende des Zuges und drehte mich mehr als einmal im Sattel um, nur damit ich sicher sein konnte, dass wir am Ende nicht doch noch verfolgt würden. Irgendwann, als ich das Gut nicht mehr sehen konnte und wir uns bereits im Wald befanden, schloss ich zu Maria auf, die in diesem Moment neben dem Wagen herlief. Ich saß ab und führte mein Pferd an den Zügeln.

„Das war knapp, Hannes. Aber richtig knapp. Wie bist du auf die Idee gekommen, Gunnar mit der Armbrust zu bedrohen?“
„Keine Ahnung, ich hatte sie plötzlich in der Hand.“
„Das war gut. Im ersten Moment dachte ich zwar, jetzt würden die über uns herfallen, aber dann war mir klar, dass Gunnar sich nicht selber opfern würde. Hast du gut gemacht, ehrlich.“
Maria sah mich an und schenkte mir ein strahlendes Lächeln.
„Trotzdem, Maria, das war reine Glückssache. Und ich werde mich wohler fühlen, wenn die anderen Soldaten von Eckehardt bei uns sind. Wir waren einfach zu wenige.“
„Ich denke aber, Eckehardt hatte Recht. Wenn wir uns gewehrt hätten, stünde uns über kurz oder lang eine viel größere Armee gegenüber.“
„Ja, wahrscheinlich. Schau, da kommt die erste Gruppe zu uns.“

Admin - 18:37 @ Weil die Zeit sich berühren will - Teil 3 | Kommentar hinzufügen

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