Stefan Rühlmann

Bücher und Zeichnungen

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Auf dieser Seite werde ich in regelmäßigen Abständen Ausschnitte meiner Bücher, Geschichten oder auch Bilder, wenn sie gerade entstehen, einstellen.

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21.10.2019

Der Rote Druide - Leseprobe IV

Gegen sechszehn Uhr machte Elvira Feierabend, so wie die meisten anderen Frauen auch. Ich musste noch bis halb sechs arbeiten, um wenigstens auf meine normale tägliche Arbeitszeit zu kommen. Dafür fing ich am Morgen später an, der Gleitzeit sei Dank.

Ich beschloss nach Feierabend gleich nach Hause in meine kleine Stadtwohnung zu fahren. Irgendwie hatte das Wetter nicht gehalten, was es am Vormittag noch versprochen hatte. Im Gegensatz zum Sonnenschein heute früh regnete es jetzt in Strömen, aber das war zu erwarten, es war April.
Nach dem Duschen überlegte ich kurz, ob ich noch zu Louise gehen sollte, entschied mich aber dagegen. So richtig „zusammen“ waren wir nicht und sie hatte heute Sport, wenn ich am Freitag richtig zugehört hatte. Abgesehen davon musste ich feststellen, dass sie zwar überaus schön war, aber dafür nicht ganz so intelligent. Gespräche, also richtig tiefe Gespräche, waren mit ihr kaum möglich. Dafür war der Sex allerdings hervorragend.
Nur reicht das allein nicht für eine dauerhafte Beziehung, wie mir in den letzten Wochen klar geworden war.

Gegen acht machte ich mir den Fernseher an, um die Nachrichten zu sehen. Die Sache mit der Mammut-Grippe wurde nur beiläufig erwähnt. Ohne darüber nachzudenken, schaute ich auf mein Handy. Ich hatte eine Nachricht von dem Kerl bekommen, mit dem ich gestern geschrieben hatte.
„Wusstest du, dass das ursprüngliche Siedlungsgebiet der alten europäischen Stämme in Sibirien lag? “
Sollte ich antworten? Ich tat es, obwohl ich ein bisschen „verstimmt“ darüber war, wie mich der Kerl gestern abblitzen ließ.
„Nein, wusste ich nicht.“
Nach einer Weile, die Nachrichten waren inzwischen vorbei, bekam ich eine weitere Whatsapp.
„Dann werden wir bald wissen, was wirklich unter der Platte lag, die du gestern gefunden hast.“

Irgendwo knarrte es im Gebälk, gerade in einem Moment, in dem auch im Fernseher nichts gesprochen wurde. Ich bekam eine Gänsehaut und unbewusst schaute ich mich im Wohnzimmer um.
„Eine Frage habe ich doch noch: Du hast mich gestern nicht verarscht?“
„Nein“, schrieb ich zurück. „Auch das Video war echt.“
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten.
„Oha. Dann wünsche ich dir viel Glück, wer immer du auch bist. Sollte die Sage ein Körnchen Wahrheit enthalten, hast du Dinge entfesselt, die unser beider Vorstellung übertreffen.“
„Entfesselt? Jetzt fühle ich mich ein bisschen veralbert, um es einmal so zu formulieren. Was für Dinge denn?“
„Du wirst schon sehen.“
Darauf musste ich nichts mehr antworten. Wahrscheinlich war ich doch nur einem Spinner aufgesessen. Ich suchte mir einen anderen Kanal und schaute einen seichten Film, schlief dann aber schnell auf dem Sofa ein. Als ich gegen halb zehn wach wurde, zappte ich durch die Kanäle, konnte aber nichts finden, was mich noch interessieren könnte. Gerade als ich den Fernseher ausmachen und ins Bett gehen wollte, blieb ich beim Nachrichtenkanal hängen, weil ein rotes Laufband über den Monitor lief. Ich las: „… unbestätigten Angaben zu Folge ist die Lage in der Region vollkommen außer Kontrolle geraten. Die Regierung in Moskau rief den Ausnahmezustand aus. Das mutmaßliche Virus breitet sich rasant aus, die Inkubationszeit soll weniger als einen Tag betragen. Wir halten Sie über das Geschehen auf dem aktuellen Stand.“
Dann kamen die Nachrichten. Seit langem beherrschte nicht das Asylthema die Schlagzeilen, sondern die Mammut-Grippe. Was ich von der Nachrichtensprecherin vernahm, beunruhigte mich immer mehr. Sie sprach davon, dass eine Region, die doppelt so groß wie die Bundesrepublik sei, bereits aufgegeben wurde. Russland habe alle Inlandsflüge bis auf weiteres ausgesetzt, der Bahnverkehr ist ebenfalls eingestellt. Dann wurde ich schlagartig hellwach, denn es hieß, dass schätzungsweise bereits 300.000 Menschen ums Leben gekommen sein könnten. 300.000? Ich konnte es nicht fassen.

Ohne dass ich es wollte, nahm ich mein Handy und las die Mitteilung, die ich erhalten hatte:
„Es geht los …“ Dahinter war noch ein Smiley. Ich ließ mein Handy sinken, draußen schien ein kräftiger Wind zu wehen und es begann wieder heftig zu regnen.
Als die Nachrichten vorbei waren, las ich noch einmal das rote Band auf dem Bildschirm. Nichts neues, also ging ich in mein Bett, konnte jedoch nicht einschlafen. 300.000 Tote an nur einem Tag? Irre. Das war für mich absolut unfassbar. Nach einer gefühlten Stunde, in der ich nicht einschlafen konnte, stand ich wieder auf und machte den Fernseher erneut an. Im Laufband des Nachrichtensenders stand nichts Neues, allerdings gab es eine Dauersendung zu diesem Thema. Die Moderatorin schien fahrig zu sein, es gab eine Direktschaltung zu einem Reporter in Moskau. Dieser gab an, in Russland herrsche schlichtweg Panik. Die Regierung habe angewiesen, die betroffenen Regionen abzuriegeln und jeden Menschen daran zu hindern, aus den Gebieten zu flüchten. Es gehe das Gerücht in Moskau um, dass der Armee befohlen wurde, von der Schusswaffe Gebrauch zu machen. Wahnsinn! Wie gebannt starrte ich auf die Bilder, ohne zu begreifen, was der Reporter tatsächlich sprach. Es drang nicht in mein Gehirn vor, so unfassbar, so unglaublich waren die Worte, die aus dem Fernseher an mein Ohr drangen, aber eben auch nicht weiter.
Ich nahm wieder mein Handy, schaute auf meine Seiten in den verschiedensten sozialen Medien. Überall das gleiche Thema. Die Mammut-Grippe. Manche Einträge sprachen bereits von 10 Millionen Toten, was natürlich nicht sein konnte.
ine neue Mitteilung hatte ich nicht erhalten.
Im Fernsehen redete man gerade davon, dass weltweit Wissenschaftler versuchen würden, den Erreger oder das Virus zu identifizieren. Deutschland habe Russland Soforthilfe zugesagt, nur konnte der Sprecher keine Aussage machen, wie die Soforthilfe aussehen würde. Irgendein russischer Arzt meinte in einem Interview, dass die Symptome der Krankheit anfangs wie eine ganz normale Bindehautentzündung seien und nach mehreren Stunden würden bei den Patienten die Organe schlagartig versagen.
Bindehautentzündung? Mir kam der Arzt selber so vor, als hätte er vollkommen entzündete Augen …
Irgendwann schlief ich doch vor dem Fernseher ein.

Admin - 19:26 @ Der Rote Druide | Kommentar hinzufügen

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