Stefan Rühlmann

Bücher und Zeichnungen

Mein blog

Auf dieser Seite werde ich in regelmäßigen Abständen Ausschnitte meiner Bücher, Geschichten oder auch Bilder, wenn sie gerade entstehen, einstellen.

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  • Seemannsgarn - Meine Zeit auf See - Teil 19
  • Seemannsgarn - Meine Zeit auf See - Teil 18
  • Seemannsgarn - Meine Zeit auf See - Teil 18
  • Seemannsgarn - Meine Zeit auf See - Teil 17
  • Weil die Zeit sich berühren will - Buch 3; Teil 4

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13.02.2017

Seemannsgarn - meine Zeit auf See - Teil 14

Sie fuhren uns eine Weile in der Stadt herum, wobei es mir so vorkam, als ob sie im Kreis mit uns fuhren. Nach einer Weile bogen sie in ein Viertel ab, überall nur kleine enge Gässchen, nicht unbedingt die beste Gegend Saigons. Dann hielten wir. Einer der Fahrer ging in ein Haus hinein. Nach einer Weile kam er heraus und winkte uns, dass wir ihm folgen sollten. Durch eine kleine Tür ging es in ein Haus hinein, vielleicht eher eine kleine Hütte. Dann traten wir durch eine Tür, gingen über einen kleinen, von Mauern umgebenen Hof, kamen an die nächste Tür. Er öffnete und wir traten herein. Der Raum, in dem wir standen, hatte keine Fenster, kleine Kinder saßen auf dem Boden in der Ecke, sahen kurz auf und spielten weiter. Sie waren Besuch wohl gewohnt. Hinter einer Decke, die eine weitere Tür verbarg, kamen zwei Männer hervor und musterten uns. Hinter den Männern stand eine alte Frau. Wie sich zu meiner Verwunderung herausstellte, war es die „Tante“. Hinter ihr starrte uns noch ein Ziegenbock an, weshalb mir dies in Erinnerung geblieben ist, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Vielleicht war es die Szenerie an sich. Die „Tante“ sah uns an und bedeutete uns, unser Geld auf den Tisch zu legen. Jeder von uns tat daraufhin einen Hunderter hin. Insgesamt siebenhundert Mark… Ein Vermögen in Vietnam zu dieser Zeit.
Einer der Männer, die vor der „Tante“ aus der von einem Vorhang verhüllten Tür getreten war strich unser Geld ein, lächelte dabei. Die „Tante“ trat hervor, sie hatte schon einen Buckel und sprach uns in makellosem deutsch an:
„Eins zu Zehntausend, mehr gibt es nicht.“
Uns stand allen der Mund offen, während der Kerl, der unser Geld eingestrichen hatte, jedem von uns die uns zustehende Summe auszahlte. Eine Million Dong, wir waren so gesehen also Millionäre – zumindest in Vietnam. Ich dachte damals noch, dass ich gleich wach werden würde und alles nur ein Traum gewesen wäre. Nicht wegen dem Geld, sondern der Situation. Und wahrscheinlich auch dem Ziegenbock. Da steht man wie bei einer Lösegeldübergabe in einem schlechten Film, wird von Bodyguards bewacht und eine alte vietnamesische Frau spricht uns in perfektem Deutsch an. Die Herrscherin dieser kleinen Welt. Im Nachhinein eine absolut prickelnde Erfahrung!

Admin - 20:45 @ Seefahrerei | Kommentar hinzufügen